Nach nur zwei Jahren aktiven Boulespielens (in meinem Fall) haben Frank und ich uns zunächst mit vier Siegen aus vier Spielen für die Landesmeisterschaft qualifiziert. Während dieser gewannen wir drei von fünf Spielen und waren am Ende des Tages auf dem ersten Nachrücker-Platz gelandet. Ein tolles Erlebnis und ein schöner Erfolg!
Ein Team von den vor uns platzierten musste demnach seine Teilnahme an der DM absagen und wir zwei wären tatsächlich dabei!!! Wir nahmen uns vor: Egal wann der Anruf aus Oldenburg von Bettina Schewe kommen sollte: wir fahren nach Saarlouis!!!
Fast zwei Wochen später, niemand rechnete mehr ernsthaft damit, dass das Telefon noch klingeln würde, am Donnerstagabend um 22:00 Uhr war es dann doch so weit. Die Nummer aus Oldenburg leuchtete in meinem Display auf und Bettina Schewe sagte so etwas wie: ,,Es ist passiert, jemand hat abgesagt, ihr könnt fahren, wenn ihr wollt! Wollt ihr denn überhaupt???“ Ohne auch nur eine Sekunde zu überlegen, sagte ich: ,,Ja!!! Wir wollen!!!“
Als nächstes versuchte ich Frank zu erreichen… Es muss ja noch so viel organisiert werden (Fahrt, Unterkunft, Arbeit etc.)
Bis um 2:00 Uhr nachts telefonierten und organisierten wir unsere Fahrt zur DM!!! UndU wurden auch noch geweckt (sie waren bereits vor Ort und halfen beim Organisieren), sodass es am Freitag nach der Arbeit gegen 11:30 Uhr los ging nach Saarlouis!!! Am späten Freitagabend kamen wir im Saarland an, trafen uns noch kurz mit UndU. Nachdem wir uns bei der Turnierleitung angemeldet hatten, wartete noch ein leckeres Abendessen auf uns und anschließend die verdiente Nachtruhe im Hotel.
Der Samstag begann auf dem weitläufigen Turniergelände mit der Nationalhymne und der Begrüßung der sogenannten ,,Deutschen Elite des Boulespiels“.
Nach der Auslosung der Poules ging es dann schließlich los. Uns erwarteten zwei Teams aus BaWü und eines aus NRW. Das erste Spiel war dann auch gleich der erwartet schwere Gegner aus der Bundesliga. Dem Team NRW 03 aus Berthold Ulrich (Diaboulo Bochum BuLi) und Tom Wierzoch (Pétanque Gelsenkirchen und DPV-Rechtsausschuss) waren wir nicht gewachsen und verloren nach gutem Beginn mit 5:13 …
Eine erste Enttäuschung? Keinesfalls!
Hier zeigte sich die Erfahrung beider Spieler auf schwierigen Spielbahnen und gleichzeitig auch unser Stolz, einmal gegen derart etablierte Boulespieler antreten zu dürfen. Es war ein sportlich netter Umgang miteinander und am Ende der Begegnung erhielten wir von beiden ein Lob ob unserer mutigen Spielweise und in meinem Fall Anerkennung bezüglich meines ,,Händchens“ für die Kugeln!!! Meine Trefferquote als Tireur war deutlich höher als die von Tom!
Nach einer kurzen Pause und einem kleinen Plausch mit unseren nächsten Gegnern Ulrike und Frank Mössinger (BaWü 34) ging es auf die Nachbarbahn. Unsere „Kontrahenten“ hatten ,,Heimvorteil“, schließlich hatten sie bereits die erste Begegnung auf dieser Bahn gespielt.
Allerdings konnten sie diesen Vorteil nicht für sich nutzen. Frank legte ein ums andere Mal deutlich besser an die Zielkugel, sodass wir nach acht Aufnahmen, in denen jeweils nur ein Punkt verteilt wurde, mit 7:1 führten. Ulrike und Frank machten einen Vierer und kamen auf 7:5 heran – mit der Bemerkung seitens unserer Gegner, dass es ja auch durchaus erlaubt sei, mehr als nur einen Punkt zu machen. Wir nahmen sie beim Wort! In der nächsten Aufnahme gelang ein Dreier und Frank Mössinger bereute seine Bemerkung scherzhaft!
Drei weitere Aufnahmen folgten und Zaka und ich hatten unsere erste Begegnung bei einer Deutschen Meisterschaft gewonnen. 13:7 Wahnsinn!!!
Es folgte die Barrage:
Gegen zwei starke Franzosen (Tim Villard und Christophe Martin BaWü 33 zeigte Zaka erneut eine großartige Pointeur-Leistung und wir hielten konstant mit – begleitet von einigen französischen Flüchen (hatte man uns unterschätzt???). Beim Stand von 10:10 leisteten wir uns unsere einzige nicht so gute Aufnahme in diesem Spiel und Tim konnte mit drei unfassbar guten Legekugeln aus der Hocke (alle drei passten auf eine Untertasse!!! Bei einer Distanz von etwa 8 Metern!!!) die Partie doch noch zu Gunsten der Franzosen drehen. Schade, knapp am A-Turnier vorbei …
Ich dachte in diesem Moment, dass das das Ende für uns bedeuten würde, eher ich erfuhr, dass wir jetzt im B-Turnier weiterspielen durften!!!
Die Enttäuschung hielt nicht lange an und wir machten uns auf zu unserer nächsten Partie …
Am Ende des Spielgeländes (gefühlt hat nur ein Schritt gefehlt und wir wären von der Erde gefallen …), auf Bahn 64, warteten schon unsere nächsten Gegner: RhPf 02!
Jean-François Wittmann und Jerry Zwickert spielten sich bereits seit einer kleinen Weile auf der schwierigen, mit Steinen, Blättern und Zweigen, unebenen und seitlich hängenden Spielbahn ein und warteten schon auf uns. Dort angekommen, nach einer kurzen Begrüßung, erklärten wir uns startbereit.
Die ersten beiden Aufnahmen zeigte bereits die ganze spielerische Klasse der beiden Pfälzer. Jerry legte und Jean-François schoss; unsere Gegenwehr hielt sich in Grenzen. Eine schnelle Führung unserer Gegner war die logische Folge, 1:6 aus unserer Sicht. Die Gesichter von Jerry und Jean-François sahen nach großer Zuversicht aus. Ihre Führung hielt an bis zum 6:11. Zaka und ich beschlossen, zu drehen, meine Legekugeln waren zu diesem Zeitpunkt einfach etwas zwingender.
Diese Maßnahme zeigte sofort Erfolg. Nach einem Punkt in der folgenden Aufnahme machten wir anschließend einen Dreier: 10:11 – wir waren wieder im Geschäft und jetzt zeigten unsere Gegner Schwächen. Die Kugeln von Jerry fanden keinen Weg mehr zur ,Sau‘ und auch Jean-François lochte, anstatt zu treffen!
Wir hatten den Punkt und noch vier Kugeln auf der Hand, der Gegner war leer! Ich versuchte, meine letzte Kugel rechts vorbeizuspielen, kam aber auf einen (der vielen) Steine im Weg, die Kugel blieb rechts oben liegen. Zaka wollte links an meiner Kugel vorbei, traf auch einen Stein, seine Kugel sprang auf meine und drückte meine „in Zeitlupe“ Richtung ‚Sau‘ zum Punkt. Wir hatten nun zwei Punkte liegen! Zaka spielte seine nächste Kugel flacher, um den groben Steinen zu entgehen. Die Kugel ging „etwas durch“.
Unsicher, ob diese Kugel tatsächlich reichen würde, nahm Zaka sein Maßband und gemeinsam mit Jerry maßen sie die Abstände zur Zielkugel. Unfassbar: auch diese Kugel reichte und wir hatten drei Punkte am Boden – und damit 13:11 gewonnen!!! Glücklich fielen wir uns in die Arme.
RhPf 02 saß ungläubig auf einer Bank im Wald … So ganz hatten sie ihre Niederlage nicht verstanden …
Weiter ging die wilde Fahrt auf der DM.
Zurück bei der Turnierleitung, wir ernteten ernsthafte Anerkennung, erfuhren wir, dass unsere nächste Begegnung gegen zwei überaus bekannte Spielerpersönlichkeiten stattfinden sollte.
Nord 02 mit Moustain Adeniyi und Laurent Mirabeau-Siebold !!! … Auch bekannt aus YouTube und überaus erfolgreich auf der Turnierserie. In ihrem Gefolge waren einige Franzosen, die sich am Rand der Spielbahn gemütlich ins Gras legten und eine kurze Begegnung erwarteten, zumindest konnte man das aus ihren Gesprächen heraushören.
In der ersten Aufnahme machte der Gegner einen Punkt. Laurent warf die Zielkugel auf etwa 9 Meter. Seine erste Legekugel blieb deutlich zu kurz und Zaka legte nun seinerseits ca. 30 Zentimeter links vor das „Schweinchen“. Moustain lochte zweimal. Laurent legte zwei Kugeln durch, Moustain legte mit der letzten den Punkt.
In diesem Moment konnten wir für den ersten erstaunten Gesichtsausdruck beim Gegner und bei allen Zuschauern sorgen. Ein erster Schuss auf diese Distanz traf krachend ,auf Eisen‘ und entfernte die gegnerische Kugel. Zaka legte seine zweite Kugel „an drei“, ich schoss für zwei – die erste etwas zu kurz, dafür die zweite Carreau. Zaka legte noch eine Kugel dazu – wir hatten vier Punkte! Wir hatten ein Ausrufezeichen gesetzt! Sie mussten uns ernst nehmen!!!
Die Partie entwickelte sich zu einer umkämpften Sache. Punkt um Punkt auf beiden Seiten mit einem zunehmend genervten Moustain, ob seiner vielen Löcher, bewegte sich der Spielstand über 9:7 für uns bis zum 10:10.
Die nächste Aufnahme brachte dann auch tatsächlich die Entscheidung, allerdings nicht zu unseren Gunsten.
Wir leisteten uns genau diese eine schlechte Aufnahme, die darin gipfelte, dass ich – nach vier gespielten Kugeln – noch einen Schuss auf die Zielkugel vornehmen musste; um uns im Spiel zu halten. Die Gegner hatten bereits zwei Punkte am Boden und noch zwei Kugeln in der Hand. Der Schuss misslang, meine letzte Kugel gelegt, Moustain mit dem Treffer als Carreau, die Partie war verloren! 10:13 gegen Spieler aus dem obersten Regal der Bouleszene!
Wir erhielten von allen Seiten den verdienten Respekt für unsere Leistung, für diese letzte, spannende Partie, als auch für die vergangenen Begegnungen!!!
In Summe waren Zaka und ich glücklich über das Geleistete, zufrieden und glücklich!!!
Was für ein Erlebnis, wohl wissend, dass das durchaus eine einmalige Sache bleiben könnte!
Bei den Gedanken an diese Deutsche Meisterschaft könnte ich auch jetzt noch, und wahrscheinlich auch in Zukunft, „im Kreis grinsen“.
Schließlich haben wir etwas geschafft, was vielen Sportlern in vielen verschiedenen Sportarten verwehrt bleiben wird: Die Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft gemeinsam mit der Elite des Boulespiels!!!
Jens

